NEUE ZUGANGSEBENEN

von ETA Reporterinnen Janina Müller und Miriam Segner

Regisseurin Jana Vetten und Ausstatterin Eugenia Leis über ihre Herangehensweise an das Familienstück „Herr Bello und das blaue Wunder“ von Paul Maar am ETA Hoffmann Theater Bamberg.

Soll Kunst uns vom Leben entführen und eine Ablenkung davon sein oder soll sie uns näher an es heranführen? Dass das Theater uns seinen eigenen Zugang zur Wirklichkeit bietet, erzählt uns im Interview Jana Vetten. Die Regisseurin des Familienstücks „Herr Bello und das blaue Wunder“ am ETA Hoffmann Theater ist dem Ruf ihrer alten Heimat gefolgt, um hier die fantastisch chaotische Geschichte des in Bamberg lebenden Autoren Paul Maar zum Leben zu erwecken.

Auch wenn sie sich nicht explizit vorgenommen hatte, Regisseurin für das Kinder- und Jugendtheater zu werden, so findet sie doch große Freude, am spielerischen und erfinderischen Schaffen von Kinderstücken.

Für sie selbst stellte das Theater schon sehr früh die Möglichkeit dar, Fragen zu stellen. Theoretische Fragestellungen können in der Veranschaulichung einer Geschichte zu tieferem Verständnis führen und Themen, welche in der Theorie trocken und abstrakt daherkommen, präsentieren sich in theatraler Form sogleich zugänglicher und greifbarer.

Wie das Theater ihr den Zugang zu vielen Themen erleichtert hat, so hat sie nun in ihrem Beruf die Möglichkeit, diesen Zugang auch anderen zur Verfügung zu stellen. So bekommt das Theater zugleich die Macht zur Vermittlung und zur Anregung.

Dabei ist es Jana Vetten allerdings von äußerster Wichtigkeit, in ihrem Stück nicht mit erhobenem Zeigefinger Kindern die Welt zu erklären. Im Gegenteil gilt es, die jungen Zuschauer*innen so ernst wie nur möglich zu nehmen. Nicht von oben herab zu belehren, sondern Geschichte und Figuren greifbar zu machen, sodass die jungen Zuschauer*innen ganz selbstständig einen Bezug zu ihrem eigenen Leben herstellen können.

Das Theaterstück „Herr Bello und das blaue Wunder“ möchte von der Angst vor Umbrüchen erzählen, so wie vom Mut zur Veränderung. In die geordneten, glücklichen Lebensverhältnisse der kleinen Familie aus Vater und Sohn bricht zu Beginn des Stückes Chaos ein und das Wirrwarr entwickelt sich auf amüsante Art und Weise, bis sich am Ende alles zum Guten wendet, und unsere Protagonisten noch glücklicher aus dem Schlamassel hervorgehen als zuvor. Und man vielleicht mit dem Eindruck zurückgelassen wird, dass Ordnung vermutlich doch nicht alles im Leben ist.

Die Magie des Stückes und seine fantastischen Elemente zeugen von der Fähigkeit des Theaters, das Unmögliche durchzuspielen, den Was-wäre-wenn-Fragen nachzugehen. Das Theater traut sich, Antworten auf Fragen zu geben, welche das wirkliche Leben niemals herausrücken würde.

Wie erstaunlich ist zum Beispiel die Vorstellung, mit seinem Haustier sprechen zu können – erzählt uns die Kostüm- und Bühnenbildnerin Eugenia Leis von einem Traum, den auch sie als Kind hatte.

Die magischen Momente von „Herr Bello und das blaue Wunder“ wollte sie auch gestalterisch im Bühnenbild zum Ausdruck bringen. Hier zeigt sich, wie die Wirkung einer dramatischen Vorlage sich in seiner Ausgestaltung lenken und verstärken lässt. So ist das Bühnenbild keine starre, fixe Entität, sondern eine veränderliche, wandelbare und sich in Bewegung bringende Konstruktion in Form einer Drehbühne, welche eindrucksvolle Transformationen ermöglicht, wie zum Beispiel der schnelle Wechsel vom geordneten Zuhause, raus in den Wald, „mit einem Schnipser“, wie Eugenia Leis es ausdrückte. Ideengeber für dieses dynamische Bühnenbild waren Spitzendeckchen, welche man des Öfteren in Bamberg sieht, sowie die Vorstellung, deren wohlgeordnete Formen und Strukturen zu dekonstruieren.

Das Interview wurde von ETA REPORTERINNEN Janina Müller und Miriam Segner im Rahmen des partizipativen Projektes ETA CAMPUS Mitte November 2020 geführt.

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